Hier ein Auszug aus der Paulinus Wochenzeitung Trier Nr 45. vom 07.11.2010 Dort finden sich noch weitere interessante Berichte rund ums Pilgern sowie weiterer religiöser Themen.

 

Gruppenfoto der Pilgergruppe.
Die Moselcamino-Pilger rasten an der Wallfahrtskirche Bleidenberg vor Alken. Foto: Stefan Ernst

Einsichten und Jakobsmuscheln

Zwei Tage unterwegs auf dem Moselcamino: Die Tour bescherte der 45-köpfigen Pilgergruppe und dem Autor ungeahnte Ein- und Aussichten.

Von Stefan Ernst

Der Jakobsweg: Spätestens nach den Beschreibungen von Hape Kerkeling in seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ hat sich in meinem Kopf das Bild festgesetzt von einem „Weg der Entbehrungen, Strapazen und schmerzvollen Grenzerfahrungen“  Nun habe ich einen Termin mit einer Pilgergruppe, die auf Initiative der Trierer Jakobsbruderschaft einen Teil des neuen Moselcamino beschreitet. Die beiden „Profis“ Johannes Rau und Wolfgang Welter hatten mich eingeladen, den Camino mitzugehen und über meine Eindrücke zu berichten.

Wegen eines Termins treffe ich die 45-köpfige Truppe erst am Nachmittag an der Wallfahrtskirche Bleidenberg. Ich treffe die Gruppe entspannt an, keine Spur von Erschöpfung oder Entbehrungen. Im Gegenteil, einige Pilger sehen eher beseelt und glücklich aus. Sie berichten von Gebeten, Liedern, aber auch stiller Einkehr auf ihrem mit der Jakobsmuschel gezeichneten Weg.

Zu meiner Überraschung treffe ich auch Marlene wieder. Mit ihr hatte ich zuvor noch den Geburtstag ihres Sohnes gefeiert – jetzt läuft mir die ältere Dame die 40 Kilometer des Caminos voraus. Auch der zehnjährige Maximilian Hoffmanns ist mit dabei, der schon einige dieser Teilstücke des Pilgerweges gegangen ist. Ein Beweis, dass es fürs Pilgern keine Altersbeschränkung gibt.

Überhaupt ist der Moselcamino der „Weg der Begegnungen“. Hier laufen nicht nur die Eifel-Mosel-Hunsrücker „ihren“ Jakobsweg, auch aus Luxemburg, Saarlouis und Köln haben sich die Gläubigen auf den Weg von Koblenz-Stolzenfels nach Treis-Karden an der Mosel gemacht.

Ich treffe die Schwestern Maria Allmang und Elisabeth Gruhs aus Köln. Auch sie waren in Stolzenfels gestartet, hatten erst Minuten zuvor die Gruppe getroffen, um nun gemeinsam an der Wallfahrtskirche zu pausieren. Vorher waren sie auf der fast 20 Kilometer langen Strecke keiner Menschenseele begegnet. Bestens ausgerüstet haben sich die Mitfünfziger den rund 180 Kilometer weiten Weg von Stolzenfels bis nach Trier vorgenommen.

„Einfach mal abschalten, dem Alltagsstress entfliehen und sich führen lassen“, begründen sie ihre Intention, den Moselcamino binnen acht Tagen zu gehen. „Man hat im Leben so viel Zeit für andere – Arbeitgeber, Familie, Nachbarn, Freunde – aufgebracht, das hier machen wir jetzt für uns“, hatten die Kölner Schwestern mir mit auf den Weg gegeben, bevor sie sich mit einem Lächeln und „wir sind dann mal weg“ verabschieden. Angesichts der schönen Aussicht über die Alkener Burg Thurant und in das traumhafte Moseltal, des weiten Blicks über Eifel- und Hunsrückhöhen und der Schilderungen der Pilger über ihre Eindrücke auf dem Weg bleibt mir die Erkenntnis: Es gibt viele Gründe, den Moselcamino zu gehen.